CO2-Zertifikate

Maßnahme zur umweltfreundlicheren Produktion

 

CO2-Zertifikate sind staatliche und länderspezifische Regulierungen, die energieintensive Industrieunternehmen veranlassen sollen, weniger umweltschädliches CO2 zu produzieren. Hiermit soll der anhaltende und jahrzehntelange Gasausstoß, der für die globale Erwärmung maßgeblich verantwortlich ist, reduziert werden. Für jede ausgestoßene Tonne Kohlendioxid müssen Unternehmen ein entsprechendes Recht beziehungsweise CO2-Zertifikat besitzen, das teilweise behördlich und teilweise wirtschaftlich erworben wird.

 

EU-Emissionshandel

Der Handel mit CO2-Zertifikaten wird auch als EU Emissionshandel beschrieben, da letztlich mit der Erlaubnis für die Produktion diverser Treibhausgase gehandelt wird. Zu berücksichtigende Unternehmen erhalten einen gewissen Teil der benötigten CO2-Zertifikate von Behörden. Reichen diese nicht aus, um die Schadstoffemission zu regulieren, da das Unternehmen eine höhere Kohlenstoffdioxidemission infolge der Produktion aufweist, können diese CO2-Zertifikate zusätzlich erworben werden. Dadurch hat sich der EU-Emissionshandel im Wesentlichen etabliert, da es im Gegenzug Unternehmen gibt, die weniger Treibhausgase produzieren als veranschlagt und somit einen Teil ihrer Zertifikate verkaufen können.

 

Börsen- und Direkthandel

Die Veräußerung überschüssiger CO2-Zertifikate kann entweder direkt zwischen Unternehmen geschehen oder über eine Terminbörse gehandelt werden. Beim Handel mit CO2-Zertifikaten spielt weltweit vor allem der European Climate Exchange (ECX) eine signifikante Rolle. Eingeführt wurde das Prinzip der Emissionsrechte im Jahr 2005, wobei der Handel mit Emissionen bereits in den späten 1970er Jahren ein Thema war.

 

Handel mit CO2-Zertifikaten

Tesla poliert Dreckschleudern auf Tesla macht in der Schweiz ein lukratives Zusatzgeschäft: Der Elektroautobauer hilft anderen Herstellern, ihre CO2-Richtlinien einzuhalten - indem er Zertifikate versteigert. Für ein paar Tausend Euro können Spritsäufer so reingewaschen werden.

 

 

Noch fährt Tesla mit seinen Elektroautos Verluste ein. Da kommen den Kaliforniern zusätzliche Einnahmequellen gerade recht. Eine hat Tesla in der Schweiz gefunden: Dort gelten CO2-Emissionsvorschriften für neu zugelassene Autos, ähnlich wie in der EU. Bis zum Jahr 2015 dürfen die Fahrzeugflotten der Hersteller durchschnittlich nur noch 130 Gramm pro Kilometer verursachen. Wer darüberliegt, zahlt Strafen - oder kauft CO2-Zertifikate von Tesla.

 

Der Deal läuft so: Jedes Gramm CO2, das über der Zielvorgabe von 130 Gramm liegt, wird in der Schweiz besteuert. Sind die ersten drei Gramm noch vergleichsweise günstig, kostet vom vierten Gramm an jedes weitere rund 117 Euro (142,50 Franken). Bei einer leistungsstarken Limousine mit 242 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer würden beispielsweise etwa 12.900 Euro Bußgeld anfallen. Die Strafsteuer entfällt aber, wenn der Spritsäufer mit einem Tesla Model S kombiniert wird - denn das Elektroauto wird mit null Emissionen aufgelistet. Dann stoßen beide Autos zusammen nämlich 242 Gramm aus, pro Wagen demnach nur 121 Gramm.

 

Der Meistbietende erhält den Zuschlag

Die Zertifikate versteigert Tesla in der Schweiz höchstbietend, nennt aber keine Summen. Die Zeitung "Tages-Anzeiger" berichtet von Preisen von etwa 3300 Euro. Für die Hersteller, die sich damit reinwaschen, lohnt sich das Geschäft - weil die Zertifikate billiger sind als die Strafsteuer. Die durchschnittlichen CO2-Emissionen in der Schweiz lag im vergangenen Jahr bei 145 Gramm. Entsprechende Strafen beliefen sich auf insgesamt rund 4,2 Millionen Euro (5,1 Millionen Franken).

"Das ist eine gängige Praxis", sagt Thomas Puls, Verkehr- und Umweltexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, zu dem Deal. Im Grunde funktioniert der Ausgleich wie das System mit den Supercredits: Die Hersteller dürfen E-Mobile oder Hybridautos mit einem höheren Faktor auf ihre Fahrzeugflotte anrechnen und können so ihre durchschnittliche CO2-Bilanz verbessern.

 

Gut für Tesla, aber auch gut für die Umwelt?

"Wir haben das in der Vergangenheit gemacht, wir machen es im Moment und werden das auch zukünftig so handhaben", bestätigt eine Tesla-Sprecherin das Vorgehen gegenüber SPIEGEL ONLINE. Kritik, dass ein umweltbewusster Tesla-Käufer mit seinem Auto letztlich herkömmliche Spritschleudern decke, teile Tesla nicht. "So fließen die Einnahmen aus den Strafzöllen nicht etwa in den Straßenbau in der Schweiz, sondern kommen eben uns zugute."

Bis Ende Juni hat Tesla in der Schweiz knapp 300 Autos abgesetzt. Zu den Interessenten der CO2-Zertifikate gehört unter anderem der koreanische Autobauer Hyundai, wie ein Sprecher gegenüber dem "Tages-Anzeiger" bestätigte. Der Handel mit CO2-Papieren in der Schweiz erfolgt nach einem vergleichbaren Prinzip wie der Emissionshandel von Unternehmen in der EU.

Ob Tesla seine Zertifikate auch in der EU an andere Hersteller verkauft, konnte die Sprecherin auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nicht beantworten.